Talente entdecken

 

Dieses Foto habe ich vor ein paar Monaten auf einem Profilbild auf Whatsapp entdeckt. Ich war vom ersten Moment an von dieser Aufnahme begeistert. Heinz Bachmann ist weder von Beruf Fotograf noch hat er sich eingehend mit dem Thema Fotografie beschäftigt. Er hat also keine Fachbücher gelesen oder gar einen Fotokurs besucht. Er hat aber definitiv ein gutes Auge für die Fotografie und beim Ergebnis dieses Fotos würde ich sogar von Kunst sprechen, denn die Idee allein ist schon eine Auszeichnung wert.

Und dieses Foto ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Talente, die in uns schlummern. Viele Menschen haben ein oder mehrere Talente. Nicht alle tragen ihr Talent zur Schau. Zum einen, weil sich nicht jedes Talent dafür eignet, zum anderen, weil gewisse Menschen introvertierter sind als andere. Jedenfalls schätze ich es sehr, wenn Menschen ihr Talent mit anderen teilen. Im Fernsehen boomen seit einigen Jahren Talentshows wie zum Beispiel The Voice und das aus gutem Grund. Es ist einfach faszinierend, wenn Menschen ihr Talent ausüben.

Ich habe mich schon öfters gefragt, ob jeder Mensch mit mindestens einem Talent geboren wird oder aber, ob es gilt das Talent eines Menschen zu entdecken. Ausserdem habe ich dann eine gewisse Wehmut gespürt, als mir klar wurde, dass manche Menschen ihr Potential entweder nicht ausschöpfen oder gar nicht erkennen. Dies, weil sie die Möglichkeit nicht haben, etwas auszuprobieren, aus finanziellen Gründen oder aber, weil sie kein Selbstvertrauen haben oder ängstlich sind. Erst indem man Dinge ausprobiert, Neugierde für Neues zeigt, kann man herausfinden, ob man Talent für eine Sache hat oder nicht.

«Verwechsle die Höhe deiner Gage niemals mit der Grösse deines Talents.» Zitat von Marlon Brando, Schauspieler

Somit stellt sich die Frage, was es im Leben wirklich zu erreichen gilt. Ist es Reichtum? Erfolg? Oder geht es vielleicht darum, sein Leben nach seinen Gaben auszurichten und dies am besten so, dass möglichst jeder Tag ein Gewinn ist? Denn wo Freude herrscht, da findet sich auch Einigkeit und Zufriedenheit.

Schliesslich ist dies viel entscheidender für das Wohl des Menschen als Ruhm und Reichtum. Denn Ruhm und Reichtum nähren weder Geist noch Seele. Wenn der Mensch das tut, was er gut kann, dann erfreut er die Herzen anderer und tut sich selbst auch Gutes.

Im Gespräch mit Marco Rima

Marco ist ein Geschichtenerzähler und viele Geschichten schreibt er selbst. Er lässt sich vom Leben, von seinen Mitmenschen und vor allem von alltäglichen Situationen inspirieren. Marco Rima gehört endlich wieder auf die Bühne.

Vor über 40 Jahren hat er seine Berufung gefunden und sich in der Schweiz und in Deutschland einen Namen gemacht. Er ist nicht nur Kabarettist, er ist auch Autor, Schauspieler und Produzent.

«Ich weiss es nicht», das bekommt man von ihm immer wieder mal zu hören.

Ich durfte Marco Rima kürzlich in seinem Zuhause besuchen und ihm ein paar Fragen stellen.

Lieber Marco, was für Erkenntnisse hast du in den letzten zwei Jahren gewonnen?

Dass man in dieser schwierigen Zeit vielen Herzensmenschen begegnet ist. Es beweist, dass es viele Menschen gibt, die zusammenpassen. Das ist auch für die Liebe überlebenswichtig oder für sich selbst. Darum müsste man den Spruch: «Ohne dich könnte ich nicht leben» ändern in «Ich könnte ohne dich leben, aber es wäre schade, wenn ich es müsste.

Wäre die Coronazeit einfacher gewesen, wenn du nicht so bekannt wärst?

Ich weiss es nicht. Am Schluss vom Tag ist man der, der man ist, und vor allem so, wie man ist. Und so bin ich, wer ich bin. Ich war jetzt nicht besonders mutig oder ich hatte auch nicht das Gefühl, ich mache jetzt etwas ganz Bedeutendes.

Verglichen mit anderen warst du schon mutig, denn du hast dich früh und vor allem öffentlich zu Corona geäussert. Und dies in einer Phase, in der man gar nicht wusste, wohin das Ganze führen wird. Warum hast du das gemacht?

Für mich ist das ganz normal. Ich bin so erzogen worden. Ich sage einfach, was ich denke. Da ich in der Öffentlichkeit stehe, müsste ich vielleicht zwei Mal überlegen, was ich sage, aber «Carola» hat uns alle direkt betroffen und auch wenn ich Freunde habe, die mir davon abraten, mich zu politischen Themen zu äussern, weil man da nur verlieren könne, kann ich nicht anders, denn ich bin ein Teil der Gesellschaft und ich trage Verantwortung.

Wie ist dein Verhältnis zu den Medien?

Ich habe ein Verhältnis? Wenn das bloss meine Frau nicht liest…

Jetzt im Ernst, wenn ich einen Fehler mache, ist es sofort eine Schlagzeile wert. Das ist das Gemeine an der Geschichte, aber ich bedaure es trotzdem nicht, denn ich bin um viele Erfahrungen reicher. Bedauerlicherweise gibt es Medien, die mich in eine Ecke gestellt haben, aus der ich nicht mehr rauskomme. Ich wurde als Fussabtreter instrumentalisiert. Und nur eine direkte und klärende Begegnung mit dem Menschen, der mich in diese Ecke gesteckt hat, kann mich wieder rehabilitieren. Es braucht für alles immer zwei. 

Was ist das Geheimnis deines Erfolges?

Geheimnisse verrät man nicht und ich weiss es halt auch da nicht. Sicherlich sind mir auf meinem Weg viele gute Leute begegnet und noch heute begleiten mich wichtige Menschen, die für meinen Beruf und auch für mich privat entscheidend sind. Ich spreche da auch von meinen Eltern, meiner Schwester, überhaupt von der ganzen Familie und von Freunden. Meine Schwester war mein erstes Publikum. Danach waren es die Klassenkameraden und meine Verwandten. Zudem habe ich andere Künstler kennengelernt. Es gibt zahlreiche Menschen in meinem Leben, die mich getragen haben ohne es zu merken.

Dass ich dann erfolgreich wurde, hat nicht nur Angenehmes mit sich gebracht. Klar, dass man davon leben kann und erst recht der Berufung nachgehen konnte, das war und ist ein Geschenk. Doch ein Geschenk, welches man annimmt, bedeutet auch Verantwortung. So wurde ich Unternehmer und damit auch Arbeitgeber eines 12-köpfigen Teams. Bei der Realisierung eines Musicals zum Beispiel sind es bis zu 70 Mitarbeiter. Es geht also nicht nur um mich. Ich glaube, das haben viele nicht begriffen. Darum waren die letzten 24 Monate für die Kulturbranche und somit auch für mein Unternehmen dramatisch und haben mich manchmal schlaflos zurückgelassen. Das einzig Gute aus negativen Erfahrungen ist, dass man daraus lernen kann, aber natürlich nur, wenn man will.

Macho, unterdrückter Ehemann, Hypochonder, verrückter Professor – Marco Rima auf der Bühne – wen sehen die Zuschauer wirklich?

Ich zeige mich immer vollumfänglich. Von der Berufung her wollte ich immer gerne die Leute zum Lachen bringen. Und ich spüre stark, dass ich jetzt ein Programm machen möchte, bei dem sich die Menschen einfach zurücklehnen und lachen können. Meine Zuschauer sollen über das Leben und über meine Unzulänglichkeiten lachen können.

Nach zwei Stunden Unterhaltung mit Marco Rima hoffe ich, dass das Publikum mit einem guten Gefühl nach Hause gehen kann und dass eine schöne Erinnerung an diesen Abend zurückbleibt.

Du hast dich in den vergangenen zwei Jahren auch als Satiriker ausprobiert.

Genau, die Pandemie war diesbezüglich eine Chance, mich in diesem Genre via YouTube einem Publikum zu zeigen. Markus Somm, Chefredaktor Nebelspalter, ist zwei Mal auf mich zugekommen. Beim zweiten Mal habe ich dann meine Zweifel über Bord geworfen und zugesagt und der Rima-Spalter war geboren.

Der Nebelspalter hat mir freie Hand gelassen und es war eine willkommene Aufgabe, die ja auch mit Kreativität zu tun hat, weil ich ja mein 40-jähriges Bühnenjubiläumsprogramm zwei Mal verschoben und beim dritten Mal abgesagt habe. In der Zeit beim Rima-Spalter habe ich mich mit der politischen Lage auseinandergesetzt und darüber nachgedacht, was es bedeutet, sich politisch zu engagieren. Ausserdem habe ich mich gefragt, wie es wohl Alain Berset oder Ueli Maurer geht. Ich möchte nicht wissen, was sie teilweise abbekommen haben. Mit dem Finger auf andere zeigen, das ist einfach. Wir dürfen nicht aufhören miteinander zu reden und einander die Hand zu reichen. Wir leben in einer ganz speziellen, aber auch spannenden Zeit. Ich glaube, dass darum jeder angehalten ist, sich immer wieder zu fragen, wo er steht und was er persönlich einbringen kann.

Was ist dein täglicher Antrieb?

Mein Antrieb war und ist immer, dass ich Menschen unterhalten möchte. Leute zum Lachen bringen, das hat mir immer sehr gefallen. Einerseits habe ich Schwächen damit kompensiert oder aber ich habe mich versteckt – hinter dem Lachen bzw. hinter dem Clown-sein. Anderseits ist man mit einer grossen Klappe sofort im Mittelpunkt und muss damit umgehen können. Das hat auch etwas Herausforderndes, wie vieles im Leben. Von Vorteil ist es, wenn man gut dabei wegkommt.

Ich habe gehört, dass du eine kleine Tournée planst. Was kannst du uns darüber berichten?

Die letzten paar Wochen habe ich mich zurückgezogen und habe in meinem kleinen Büro an meinem neuen Programm gearbeitet.

In diesem Raum kann ich komplett abschalten und bin in einer ganz anderen Welt. Hier kann ich positive Gedanken fassen und mich kreativ austoben. Ich habe beschlossen, dass NO PROBLEM sterben muss. Was ja kein Problem ist, da NO PROBLEM! Jetzt ist Platz für «ICH WEISS ES NICHT…». Denn ich weiss wirklich nicht, wie es im Herbst aussieht. Ich weiss es nicht und du weisst es wahrscheinlich auch nicht. Somit haben wir etwas gemeinsam und davon erzählt das neue Stück. Von alltäglichen Situationen und besonders schön und lustig wird es, wenn das Publikum Gemeinsamkeiten zwischen sich und mir findet. Mit «Carola» ist Schluss, was meine Frau ungemein freut.

Auf der Bühne bin ich, was ich bin, weil ich bin. Jede Bewegung, die wir Menschen machen, hat einen Einfluss. Ob die Menschen meine Comedyshow besuchen, hat einen Einfluss, aber nicht nur auf mich, sondern auf beide Seiten. Das ist der Grund, warum das Publikum und ich an diesem Abend miteinander verbunden sind. Es ist wie eine Liebesgeschichte. Ich werde auch ein Liebeslied singen, meiner Lieblingsstadt Melbourne gewidmet. Schreiben und Komponieren ist immer Handwerk. Ich glaube nicht an Zufall. Es passiert Grossartiges, wenn die Muse dich küsst. Man kann es plötzlich in Worte fassen. Darum nehme ich mir im Moment alle Zeit, weil ich merke, dass es wächst und es stimmig ist, auch wenn ich manchmal total erschöpft bin. Es ist etwas Faszinierendes und diesen Flow und diese Verbindung zur Kreativität erlebe ich seit 20 Jahren.

Wie unterstützt dich deine Frau Christina bei deiner Arbeit?

Christina ist meine Managerin und erledigt alle Büroarbeiten, so dass ich mich nur auf das Kreative konzentrieren kann.

Wenn ich das erste Mal auftrete, ist dies für mich eine komplette Überforderung. Denn es ist alles auswendig gelernt. Ich bin dann so sehr in meiner Blase drin, dass ich abliefere und hoffe, dass es gut kommt. Dann ist die Show irgendwann fertig und meine Frau fragt, wie es gelaufen ist, und dies, obwohl sie im Publikum sass. Sie kriegt einfach nichts mit! Sie hat nur Kopfweh vor lauter Anspannung.

Ich habe meiner Frau verboten jemals wieder in die erste Reihe zu sitzen, denn einmal schaute ich sie ganz zu Beginn der Vorstellung an und sie gähnte schon bei meinem ersten Satz ihr berühmtes Rhinozerosgähnen. Das sieht in ungefähr so aus, als würde sie sich selbst verschlucken. Die Show war in dem Moment für mich, jedenfalls für einen kurzen Augenblick, gelaufen. Ich habe mich dann aber wieder gefangen, schliesslich bin ich Profi.

Ich darf Christina auch nichts vom aktuellen Programm erzählen, weil das wäre, wie wenn ich als Bäcker einen Sanitärinstallateur frage, bei welcher Temperatur ich die Brötchen backen soll.

Marco, hast du vielleicht auch eine melodramatische Seite?

Und wie, ich bin Melodrama pur. Meine Mutter ist mal zum Kinderarzt gerufen worden und da hat der Dr. Havlig gesagt: «Frau Rima, gehen sie einfach nicht auf ihren Mann und ihren Sohn ein, denn so wie die sich benehmen, sind sie eigentlich dauernd am Sterben oder morgen schon tot. Nicht, dass sie nichts haben, aber es ist nicht so dramatisch.»

Ich bin beim Fussball der gewesen, der gefoult worden ist, der sich schmerzverzerrt auf dem Boden gewälzt hat und wenn dann gefragt wurde, wer schiesst den Penalty, dann war ich der Erste, der sich meldete und beim Penaltypunkt stand.

Kannst du gut mit Kritik umgehen?

Ja, wobei ich nicht grad vor Freude juble, vor allem wenn die Kritik aus dem privaten Umfeld kommt. Kritik kommt bei mir immer an, selbst wenn ich im ersten Moment sauer reagiere, dann sogar erst recht.

Ich nehme mir Kritik meist zu Herzen und brauche Zeit, um sie zu verarbeiten. Und ich kann mich entschuldigen, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Das war nicht immer so.

Was geht dir total auf den Keks?

Gemeinheiten. Boshaftigkeit. Ungerechtigkeit.

Kannst du gut NEIN sagen?

Nein. Mein Vater hat mich immer gefragt: Weisst du, was 9 auf Englisch heisst? Dann habe ich geantwortet: Nein.

Ich kann es immer besser. Mein Nein ist dann aber auch ehrlich und keine faule Ausrede.

Du bist ausgebildeter Pädagoge. Was denkst du heute über deinen Erstberuf?

Ich bin nicht sehr glücklich mit unserem Schulsystem, weil es auf Wettkampf ausgerichtet ist. Es hat nur wenig mit Förderung von Talent zu tun. Das Begleiten von Kindern auf ihrem Weg, das ist eine riesige Aufgabe für eine Lehrperson und dafür hat diese mit dem Lehrplan 21 gar keine Zeit und auch keine Ressourcen.

Als ich meinen Erstberuf ausgeübt habe, habe ich diesen Beruf geliebt, aber ich bin diesbezüglich ein Kurzstreckenläufer gewesen und kein Marathonläufer.

Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen in ihrem Beruf Ihre Berufung finden.


Lieber Marco, vielen herzlichen Dank für das offene und unterhaltsame Gespräch. Ich freue mich jetzt schon auf den 10. Juni 2022. Dann sehen wir uns nämlich bei «ICH WEISS ES NICHT…» in Landquart.

 

 

Bis dahin könnt Ihr Marco Rima als Lockvogel bei «Verstehen Sie Spass?» oder als potenziellen Autokäufer erleben.

Und bei Interesse könnt Ihr hier Tickets für die Tournée buchen.

Beflügelt

Beflügelt

 

Jedenfalls sind «sich gelähmt fühlen» oder «körperlich gelähmt sein» schwierige Situationen – für die Betroffenen, aber auch für das Umfeld der Betroffenen. Ich denke, dass die Meisten schon einmal in so einer Situation waren und daher das Gefühl kennen, wenn man einfach nicht mehr vorwärtskommt, sei es, weil man körperlich eingeschränkt ist (da reicht schon ein Beinbruch) oder aber, weil man emotional blockiert ist (Schicksalsschlag/Trauma).

Kürzlich habe ich einen passenden Film zum Thema geschaut. «Beflügelt – Ein Vogel namens Penguin Bloom». Der Film handelt von der Familie Bloom, die in der Nähe von Sydney wohnt. In Thailand, als die Familie dort in den Ferien weilt, verunglückt die Mutter der Kinder und ist fortan querschnittsgelähmt. Samantha hadert sehr mit ihrem Schicksal und es fällt ihr schwer neuen Lebensmut zu finden.

Eines Tages findet Noah, der älteste Sohn von Sam, eine kleine verletzte Elster. Zunächst wenig begeistert sorgt Sam dennoch für den Vogel und pflegt ihn gesund. Langsam beginnt sie, Parallelen zwischen ihrer Lebenssituation und dem Schicksal des Tieres zu spüren. Und so wie der kleine Vogel Stärke und Lebenswillen zeigt, so beginnt auch für Sam und ihre Familie der Weg in ein neues Leben.

Tiere hatten für mich immer schon eine faszinierende Wirkung. Dies ist einer der Gründe, warum mich die Geschichte der Familie Bloom und deren Begegnung mit Penguin begeistert hat und halt auch, dass der Film eine wahre Begebenheit erzählt.

Hier geht’s zum Trailer.

Das Leben ist kein 90-minütiger Film, das wäre ja auch zu einfach, aber wir finden uns in manchen Szenen in Form von Erinnerungen wieder.  Schöne und weniger schöne Momente begleiten uns ein Leben lang und wenn wir uns gelähmt fühlen, so ist es immens wichtig, dass wir Menschen an unserer Seite haben, die uns helfen aus dieser Starre herauszukommen und manchmal sind es eben auch Tiere, die uns wieder gesund therapieren.

Nach diesem Film habe ich jedenfalls begriffen, dass das Gegenteil von G E L Ä H M T – B E F L Ü G E L T heissen kann. Denn fliegen ist so viel mehr als gehen. Und gelähmt sein, ist so viel weniger als sich bewegen. Man kann buchstäblich nicht weg, kommt nicht vom Fleck und das kann wirklich unglaublich quälend sein. Die Faszination des Fliegens hingegen hat etwas Magisches und Heilendes. Wozu so ein kleiner Vogel alles zu gebrauchen ist… Das Leben ist manchmal so einfach und dennoch kompliziert.

Der Border Terrier

Als mir vor vielen Jahren das erste Mal ein Border Terrier begegnete, ging ich davon aus, dass dieser ein Mischlingshund sei. Ich war von seinem Aussehen absolut entzückt und auch die Grösse fand ich recht praktisch. Die Proportionen sind bei dieser Rasse gut verteilt, denn der Border Terrier ist ein sportlicher Hund.
 
Julia Keller / 16.02.2022
 

Er wirkt auf den ersten und manchmal auch noch auf den zweiten Blick wie ein Welpe. Seine spitzbübige Schnauze und seine Kopfform, die an die des Otters erinnert, hat einen besonderen Charme und charakterlich finde ich den Border Terrier sowieso umwerfend.

Der Border Terrier stammt von der Grenze (englisch: border) zwischen England und Schottland. Ursprünglich waren die Zuchtziele für diese Rasse auf die Jagd ausgerichtet. Natürlich kann er immer noch als Jagdhund eingesetzt werden, doch inzwischen ist der Border Terrier auch ein beliebter Familienhund.

Diese Hunderasse gilt als fröhlich, verspielt und intelligent, ist weder stur noch aggressiv. Zwar bellt er durchaus, um etwas für ihn Interessantes anzuzeigen, er ist aber keinesfalls ein Kläffer. Allgemein ist dieser Hund leicht zu erziehen, sofern man die oberste Erziehungsregel befolgt, nämlich konsequent bleiben.

Seit Februar 2016 sind meine Familie und ich stolze Besitzer eines Border Terriers namens Nacho. Sein offizieler Zuchtname lautet «I am Nacho», weil er einem I-Wurf entstammt, was bedeutet, dass der erste Buchstabe des Namens mit i beginnen muss.

Auf Spaziergängen, in Restaurants, aber auch in den Ferien, werden wir öfters darauf angesprochen, was für ein toller und hübscher Hund Nacho ist. Und das hat nicht nur auf den ersten Blick den Anschein.

Ich komme heute noch ins Schwärmen, wenn ich über diese Hunderasse, insbesondere über Nacho spreche, denn dieser kleine Kerl ist die Hundeliebe meines Lebens.

Durch seine kompakte Grösse nimmt der Border Terrier nur wenig Platz ein. Im Kofferraum oder auch unter dem Tisch ist er kein lästiger Gast. Dieser Hund hat im Freien viel Energie, ist aber Zuhause angepasst und ruhig. Im Gegensatz zu grossen Hunden kann man mit einem Border Terrier sehr gut kuscheln und er ist eine Seele von Hund.

Nacho beobachtet mich immer ganz genau. Er weiss, ob ich nur schnell zum Briefkasten gehe oder ob ich beabsichtige länger wegzugehen und das mit oder ohne ihn. Es ist erstaunlich, wie gut er mich kennt und das, obwohl wir keinen regelmässigen Tagesablauf haben. Konkret heisst dies, dass ich nicht immer zur gleichen Zeit spazieren gehe. Rufe ich ihn und möchte ihn in der Dusche abduschen, so kommt er gar nicht erst, weil er meine Absicht kennt und er dieses Prozedere nicht mag (und dafür muss ich nicht einmal im Badezimmer stehen). Dabei gehorcht er mir sonst aufs Wort. Ich habe in all den Jahren auf unseren Spaziergängen noch nie eine negative Erfahrung bezüglich seines Gehorsams gemacht, was sicher auch damit zu tun hat, dass unsere Bindung sehr eng ist. Obwohl Nacho liebend gerne mit anderen Hunden spielt, habe ich nie ein Problem damit, ihn zum Aufhören zu bewegen. Sobald ich gehe, hört er auf zu spielen und kommt mit mir mit. Mein Hund verhält sich prinzipiell äusserst sozial mit anderen Artgenossen, was aber sicherlich mit der Erziehung und Sozialisierung zu tun hat, die er als Welpe genossen hat.

Das Fell des Border Terriers ist sehr witterungsfest und pflegeleicht. Er besitzt eine dichte, weiche Unterwolle, die den Körper wärmt. Sie wird durch das drahtige Deckhaar vor Nässe und Wind geschützt. Zur Fellpflege reicht die gelegentliche Entfernung loser Haare mit einer Bürste. Zusätzlich lassen wir Nacho zweimal jährlich bei der Hundecoiffeuse trimmen. Nach dieser Prozedur ist sein Fell wieder kuschlig weich und er sieht einfach zuckersüss aus.

Nacho macht in der Regel erst Feierabend, wenn er auf meinen Beinen liegt, weil er dann sicher weiss, dass ich nicht weggehe, ohne dass er es merkt. Das ist meist abends vor dem Fernseher oder wenn ich lese. Oft dauert es nicht lange und er schnarcht oder bellt leise im Schlaf, weil er irgendetwas Aufregendes träumt.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Wie jedes Haustier, passt auch der Border Terrier nur zu Menschen, die ihn wirklich haben wollen und das auf lange Sicht. Nur wer sein Tier wertschätzt und auch dafür genügend Zeit aufwänden kann, hat so einen großartigen Hund an seiner Seite verdient. Das gilt natürlich für jede Hunderasse, aber für den Border Terrier ganz besonders.

Lesen ist wie Kino im Kopf

Entweder man liebt sie oder man liebt sie nicht – Bücher. Ich gehöre zu denen, die sie lieben. Es gibt Bücher, die ich beim Lesen regelrecht verschlinge. Doch wie kommt man zu einem guten Buch, einem Buch, das man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte? «Lesen ist wie Kino im Kopf.» Ja, es ist sogar besser, weil man mit seiner Fantasie vieles selbst erschaffen kann.

Julia Keller / 26.01.22

Zu einer erfolgreichen Shoppingtour gehört für mich, dass ich auch eine Buchhandlung aufsuche. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um einen keinen Buchladen handelt oder um eine grosse Buchhandlung. Ich betrete den Laden so oder so, koste es was es wolle! Die kleineren Läden haben zwar definitiv mehr Charme und sind mir darum sehr lieb, doch auch die grossen Ketten haben ihren Reiz, da sie oft ein grosses Sortiment aufweisen. Ich schmökere für mein Leben gern in Büchern. Meist weiss ich auch Jahre später noch, wo ich welches Buch gekauft habe, vor allem, wenn es sich als ein besonders wertvolles Exemplar erwiesen hat. Auch erinnere ich mich an eine schöne Begebenheit im Manor in Sargans, als ich wieder einmal vor den Bücherregalen stand und bereits wusste, dass ich nicht ohne ein neues Buch aus dem Laden gehen würde. Ich hatte gerade ein Buch in die Hand genommen, als eine ältere Frau mich ansprach und sagte: «Dieses Buch sollten Sie unbedingt kaufen. Ich habe es geliebt.» Bei dem Buch handelte es sich um den Bestseller «Ein ganzes halbes Jahr» von Jojo Moyes. Ich antwortete ihr, dass ich das Buch in dem Fall ganz sicher kaufen würde, und wir haben uns dann über dieses konkrete Buch, aber auch noch über weitere Bücher ausgetauscht. Sie hat dann ebenfalls ein Buch gekauft, welches ich ihr empfohlen hatte. Ich war dann vom Buch tatsächlich sehr angetan. Gerne möchte ich euch an dieser Stelle meine drei Lieblingsromane vorstellen:

•          Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes

•          Mein Herz ruft deinen Namen von Susanna Tamaro

•          Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini

Krimiromane von Charlotte Link, Michael Robotham und Joy Fielding lese ich auch sehr gerne. Ich nenne jetzt bewusst Schriftsteller/innen, die eine grosse Leserschaft anziehen. Meist habe ich so Phasen, bei denen ich eine Zeitlang alles von diesem Schriftsteller lese, bis es fast langweilig wird und dann auf einmal habe ich genug und wechsle. Ich werde richtig aufgeregt, wenn ich ein neues Buch beziehungsweise einen neuen Autor entdecke. Was ich auch sehr gerne lese, sind Biografien.

Ich bin übrigens auch eine regelmässige Bibliotheksbesucherin. Zwar besitze ich einen Tolino, doch ich mag immer noch lieber richtige Bücher. Für die Ferien ist der Tolino allerdings Gold wert. Oder auch wenn der Partner nebendran schlafen will und man noch nicht müde ist und drum lieber noch ein wenig lesen möchte – mit dem Tolino klappt das prima, da dafür kein Licht benötigt wird.

Erfahrungsgemäss sind die meisten Menschen, die zuerst den Roman lesen und dann den Film schauen, sofern es einen Film zum Buch gibt, vom Film enttäuscht. Dies hat mehrere Gründe: das Buch beschreibt uns die Charaktere ausführlich. Beim Film ist Aussehen und Stimme der Darsteller/innen gegeben und es reichen schon kleine Nuancen aus, um zu gefallen oder zu enttäuschen. Und wie schon erwähnt, man sollte nie die eigene Fantasie unterschätzen – diese kann sich nur beim Lesen richtig entfalten.

Gerade weil ich so gern lese und darum schon viele Bücher gelesen habe, kam mir letztes Jahr die Idee, einen Buchclub zu gründen. Ich fragte ein paar Frauen aus meiner Umgebung, ob sie Lust hätten einen Lesekreis zu bilden und tatsächlich waren die meisten Feuer und Flamme. Wir gaben unserem neu gegründeten Club den Namen «Büecherwürminna» und seit September 2021 treffen wir uns in Abständen von zwei bis drei Monaten zu einer Buchbesprechung. Die Idee des Literaturkreises ist, dass wir jeweils alle dasselbe Buch lesen und uns dann über das Buch austauschen. Um es richtig gemütlich zu gestalten, essen wir vor der Besprechung gemeinsam einen kleinen Happen und trinken auch mal einen guten Wein dazu. Wir lesen die unterschiedlichsten Genres, wodurch sich das Ganze sehr abwechslungsreich und spannend gestaltet.

Zur Inspiration habe ich euch noch einen Trailer vom Kinofilm «Deine Juliet» nach dem gleichnamigen Weltbestseller von Mary Ann Shaffer.