GeGa und Hampi im Majonäs

 
 

Mit der Clownin GeGa habe ich am 17.02.2021 gesprochen und sie ist mir in guter Erinnerung geblieben. Ich bin an sich kein grosser Clownfan, aber ich mag das Engagement von GeGa. Sie setzt sich nämlich für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Krankheit ein. Ich teile ihr Gedankengut und sie bringt mich zeitweise auf sozialen Medien herzhaft zum Lachen.

Die Bibliothek Buchs lud am 10. Dezember 2023 um 16 Uhr zur Lesung von GeGa ein, obwohl die Clownin nicht lesen kann und gerne Wörter verwechselt. Ich war daher ziemlich gespannt, wie die Lesung ablaufen sollte! Man hat ja so seine Vorstellungen und wahrscheinlich auch Vorurteile, was Clowns anbelangt. In der Regel sind Clowns was für Kinder oder für den Zirkus.

Nun, meine Kinder sind erwachsen und ich hätte somit keinen Grund gehabt, diese Veranstaltung zu besuchen, doch ich war neugierig. Ich wollte GeGa in Aktion erleben. Zudem schätze ich das Engagement der Bibliothek Buchs. Diese Bibliothek, unter der Leitung von Theres Schlienger, ist bemüht, den Buchserinnen und Buchsern sowie auch der Bevölkerung der umliegenden Dörfer ein aktuelles und spannendes Angebot zu unterbreiten. Warum also in die Ferne reisen, wenn das Gute so nahe liegt?

GeGa in Begleitung des schlafenden Hampi, einem kleinen Mäuserich, öffnete ihr Buch und blätterte mit den Kindern in den ersten paar Seiten des Bilderbuches. Die Fotos der Fotografin Manuela Schoch sind ansprechend und kunstvoll, das sah ich auch von weitem. Während GeGa mit ihrem überwiegend jungen Publikum sprach, ertappte ich mich in der Vorstellung, das Buch meinen noch nichtexistierenden Enkelkindern zu erzählen. Ich sah wahrlich vor mir, wie fasziniert sie von der Clownfrau wären.

Plötzlich, ich war wieder in der Gegenwart angekommen, war Hampi, die zuvor schlafende Maus, verschwunden und GeGa ging voller Tatendrang mit den Kindern auf die Suche nach der kleinen Maus. Schliesslich fanden sie den süssen kleinen Freund beim reichhaltigen Apéro.

Blaue Zuckerwatte, wie die Wolken in GeGas Buch, leckere Konfibrötli, die sich die Clownin zuvor auf der Wiese vorgestellt hatte, Brunnenschlafwasser vom Majonäs und natürlich leckeren Käse für Hampi und für die mutigen Erwachsenen, die sich am regen Treiben von GeGa erfreuten, waren der krönende Abschluss einer gelungenen Lesung. Wohlgemerkt, eine Lesung, ohne dass GeGa irgendetwas vorgelesen hätte, denn sie kann ja nicht lesen und das ist in Ordnung so. Man muss nämlich nicht immer alles KÖNNEN. Uns allen tut es gut, wenn wir einfach so sein dürfen, wie wir sind, und auch dabei sein dürfen, ohne Wenn und Aber.

Das Buch «GeGa und Hampi im Majonäs» habe ich natürlich gekauft. Nicht nur, weil ich mich darauf freue es zu lesen, sondern auch, weil ich Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Schauspieler:innen, Sänger:innen und andere Talente aus dem Werdenberg unterstützen möchte. Es ist wahrlich traurig, dass manche Künstler:innen in ihrem nächsten Umfeld am wenigsten Anerkennung bekommen. Nicht, dass das irgendetwas mit GeGa zu tun hätte, es sind nur meine allgemeinen Gedanken dazu. Ich finde, dass wir in der Gegend viele schöne Anlässe haben, aber ich stelle fest, dass manche Leute lieber viele Kilometer fahren, um kulturelles Angebot zu geniessen, als dass sie sich einmal auf was Kleineres einlassen würden. Ich glaube, sie wären überrascht, aber wenn sie es nicht ein-, zwei-, dreimal ausprobieren, werden sie es nie erfahren.

Wenn du das Buch «GeGa und Hampi im Majonäs» möchtest, dann melde dich bei GeGa. Möchtest du zusätzlich einen kleinen Hampi erwerben, dann findest du ihn handgemacht im L-Shop an der Grünaustrasse 15a in Buchs. Du unterstützt damit eine Institution, die sich für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Krankheit stark macht und die GeGa am Herzen liegt.

Im Gespräch mit Norman Wille

Das neue Buch von Norman Wille «Fritz und die ROTE KUH» ist keine alltägliche Novelle. Nein, es ist eine Mischung aus Traum vom Süden, ein wenig Romantik und sprechenden Tieren. Schon der Titel des Buches verrät, dass die Geschichte etwas skurril werden könnte. Was es mit der roten Kuh auf sich hat und was für Pläne Norman sonst noch so verfolgt, darüber hat Julia Keller mit ihm gesprochen.
 
JULIA KELLER / 05.12.23

Lieber Norman, für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du?

Ich bin ein typischer Babyboomer, 1963 geboren, und lebe seit meiner Geburt im Fürstentum Liechtenstein. Ich bezeichne mich als Schreiberling und innerhalb des Schreibens als Erzähler. Es macht mir Freude, Geschichten oder Anekdoten zu erzählen.

Seit einem Jahr betreibe ich auch meinen Blog www.derwillebloggt.li. ausserdem fühle ich mich fallweise veranlasst, meine Meinung in Leserbriefen zu äussern. Manche nennen mich scherzhaft «der Reklamierer oder Meinungsager», aber eigentlich hinterfrage ich nur kritisch. Bekomme ich eine Antwort oder erkenne, dass ich mich täusche, dann hat sich die Sache für mich schnell erledigt.

Ursprünglich bin ich gelernter Informatiker. Seit 10 Jahren muss ich allerdings jeden zweiten Tag 4,5 Stunden zur Dialyse. Ich habe eine transplantierte Niere. Wegen meiner Krankheit bin ich gelegentlich eingeschränkt. Trotzdem lasse ich mich nicht davon aufhalten, mit meiner Frau rund um den Globus zu reisen. Wir müssen wegen der Dialyse einfach ein bisschen besser planen. Und weil ich nicht zimperlich und kompliziert bin, ist es kein Problem.

Dein Erstlingswerk «Fritz und die rote Kuh» ist im August 2023 beim Tierbuchverlag erschienen. In deinem Buch können Tiere sprechen. Bist du ein grosser Tierliebhaber?

Ein überaus grosser Tierliebhaber bin ich nicht, aber ich habe Tiere allgemein gern. Zudem hatte ich 15 Jahre lang einen Dalmatiner. Ich bin somit mit den Gewohnheiten eines Hundes und seinem Herrchen vertraut. Was ich mit meinem Hund in diesen Jahren erlebt habe, fliesst immer wieder in Fritz ein. Denn schliesslich ist Fritz eine «Alltagsgeschichte». Vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber doch – eine Alltagsgeschichte.

Einerseits habe ich den Tieren im Buch eine Stimme gegeben, um die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, anderseits aber auch um aufzuzeigen, dass die gesprochene Sprache bei Tieren möglich ist, aber halt nicht in Kombinationen mit Menschen. Zeitweise können meine tierischen Protagonisten kaum von ihren menschlichen Begleitern unterschieden werden. Meiner Ansicht nach belebt dies die Handlung. Ich persönlich finde das Zusammenspiel von Mensch zu Tier äussert reizvoll und dennoch hat es Grenzen. Auch im Fritz sind Tiere letztendlich nur Tiere.

Was antwortest du, wenn dir jemand entgegnet, dass deine Geschichte etwas skurill ist?

Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, dass man sich auf Dinge einlassen kann. Nicht nur in Büchern, auch im Leben. Darum habe ich das Skurille bewusst gewählt, weil es dann, wenn man sich darauf einlässt, gar nicht so viel Platz einnimmt, wie man zuerst glaubt.

In meinem Buch muss man auf alles gefasst sein. Und so bin ich auch! Ich probiere gerne neue Dinge aus und frage mich wie bei Fritz und die rote Kuh «Warum soll das nicht so sein?».

Ich habe es so geschrieben und somit ist es meine Geschichte. Dafür steht die rote Kuh. So gesehen ist sie eine Metapher und variiert in jeder erdenklichen Farbe und Figur.

Wenn ich also damit leben kann, dass ich beim Spazieren eine rote Kuh mit rosa Flügel sehe und ich mich zwar darüber wundere, aber sage, na ja, die ist jetzt halt da, gehen wir vorwärts, dann kann ich auch mit «Fritz» weitergehen. Wenn ich die Kuh auch nicht verstehe, so ist es ein kleines Wunder mehr im Leben. Ja, ich glaube, so muss man «den Fritz» verstehen.

Wenn jemand aber sagt, ja, aber eine rote Kuh, das gibt es doch gar nicht, dann muss er sich überlegen, ob er mit «Fritz» weiter auf die Reise gehen möchte. Natürlich gibt es noch weit mehr Überraschungen und Begegnungen als nur die mit der roten Kuh.

Ich erkenne in deiner Geschichte autobiografische Züge. Ist das richtig?

Ja, das ist sicherlich so. Ich bin ein offener und kommunikativer Mensch. Ich schätze Harmonie, was aber nicht bedeutet, dass ich Konflikten ausweiche. Meine Geschichte erzählt von einem friedvollen Umgang untereinander, von der Neugierde, neue Dinge ausprobieren zu wollen und das ist ja bei mir nicht anders. Örtlichkeiten werden im Fritz nur sehr rudimentär beschrieben, weil sie nicht wichtig sind oder jedenfalls für mich nicht wichtig sind. Von daher ist es definitiv autobiografisch. Jedoch habe ich bewusst nichts über mein Nierenleiden geschrieben. Ich bin seit 40 Jahren mit dieser Krankheit geplagt, da mag ich mich nicht noch beim Schreiben damit auseinandersetzen. Ähnlichkeiten zwischen Fritz und meiner Krankheit sind noch nicht einmal zufällig vorhanden.

Was ist denn für dich wichtig?

Für mich sind Interaktionen wichtig. Wie gehen die Figuren aufeinander zu. Und wie gehen sie miteinander um, diese doch sehr unterschiedlichen Charaktere, die aber alle dasselbe Ziel haben, nämlich die Mailänder Scala.

Im Buch verdreht eine italienische Dame dem Protagonisten ein wenig den Kopf. Es geht auch um die Sehnsucht nach dem Süden. Was hast du für einen persönlichen Bezug zu Italien?

Als Kinder der 1960er Jahre ist mir ist die Sehnsucht nach dem Süden in die Wiege gelegt worden. So bin ich schon früh mit Italien und auch anderen Ländern südlich der Alpen in Berührung gekommen, vor allem während der grossen Sommerferien.

Meine Frau Monika und ich haben dann auch während sieben Jahren am Comer See einen Wohnwagen gehabt, während des ganzen Jahres. In dieser Zeit ist auch der «Fritz» entstanden.

Ich widme ihr nicht nur deswegen das Buch. Sie ist für mich von unschätzbarem Wert. Sie ist meine erste Ansprechperson und sie unterstützt mich, wo sie kann. Sie hat zum Beispiel das Bild im Buch gezeichnet und ich finde, sie hat es sehr gut getroffen.

Was für Pläne hast du in der kommenden Zeit mit deinem Buch?

· Leipziger Buchmesse 21. – 24. März 2024

Dort wird auch der Verlag, der «Fritz» veröffentlicht hat mit einem Stand vertreten sein. Ich werde dort eine Lesung halten und freue mich schon sehr darauf.

· Frankfurter Buchmesse 16. – 20. Oktober 2024

· Es sind auch Lesungen in der Region geplant.

«Fritz und die ROTE KUH» ist im Bücherwurm Vaduz oder bei Norman Wille erhältlich. Das Buch kann aber auch über Amazon, Thalia, Lovelybooks und anderen Plattformen als eBook oder als SoftCover bezogen werden.

Lieber Norman, vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Qultur wünscht dir viel Erfolg mit deinem neuen Buch.

Das Interview zum Buchtalk mit Doris Büchel

 

Die Bücher «Game Time» mit und über Patrick Fischer, Chefcoach der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft (2021) und «Grenzgängerin» mit und über Evelyne Binsack, Schweizer Extrembergsteigerin und Abenteurerin (2017) sind bei Wörterseh erschienen und hielten sich während mehreren Wochen auf der Schweizer Sachbuch-Bestsellerliste.

Liebe Doris, deine Geschichten handeln oft von Menschen, die mit Sport oder mit der Natur in Verbindung stehen. Das ist wohl kein Zufall, denn dir ist Sport auch wichtig, oder?
Stimmt. Ich habe mit 22 Jahren ein kleines Unternehmen, ein Aerobic Studio namens Absolutely Fitness, gegründet. Damals war es ein richtiger Boom. Auch wenn es schon lange her ist, werde ich immer wieder mal darauf angesprochen. Dann staunen die Menschen, wenn sie erfahren, dass heute das Schreiben mein Beruf ist. Umgekehrt staunen die, die mich nur vom Schreiben her kennen, wenn sie erfahren, dass ich einmal eine «Aerobicmaus» war. Es sind zwei Welten.

Zwei Welten, die einen gemeinsamen Nenner haben – nämlich zu bewegen. Seit geraumer Zeit bist du Autorin für Biografien und Briefe. Du schreibst Briefe für Menschen in ihrem allerletzten Lebensabschnitt. Wie beschäftigt bist du, sprich wie viele Anfragen erreichen dich, sagen wir mal monatlich?
Als Biografin buchen mich Menschen, die ihre Lebensgeschichte oder Auszüge daraus aufschreiben möchten. Wenn jemand bei der Geburt anfangen möchte, dann bin ich schnell mal ein Jahr beschäftigt. Aktuell arbeite ich an drei Biografien parallel.

Anders verhält es sich bei Briefen für Menschen mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Dort arbeite ich mit dem Hospiz Werdenberg zusammen. Konkret bedeutet dies, dass nicht die Patienten mich buchen, sondern dass die Anfragen seitens der Ärzte oder Pflegenden kommen. Es sind vielleicht zwei, drei Briefe im Monat.

Ist so ein Brief schreiben nicht eine sehr emotional-schwierige Arbeit?
Wie soll ich sagen – diese Antwort könnte den Abend füllen. Ich versuche es in Kürze: Die Patientinnen und Patienten, die ich besuche, befinden sich in einer sehr schwierigen Situation. Sie müssen sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Das heisst, wir tauchen ziemlich schnell ziemlich tief ein. Das kann schon emotional sein, das ist so, ja.

Zur Biografiearbeit im Allgemeinen kann ich nur sagen, dass von den Protagonisten fast immer zuerst dieselbe Reaktion kommt: Ja, aber weisst du – wer bin ich denn? So wichtig bin ich doch nicht, dass ich meine Geschichte erzählen müsste.

Daraufhin erwidere ich, sie sollen sich vorstellen, sie hätten die Lebensgeschichte ihrer Grossmutter oder ihres Urgrossvaters in schriftlicher Form. Wohlgemerkt, nicht nur Eckdaten wie dort geboren, Schule und Lehre dort absolviert, sondern auch, warum sie sich damals so und so entschieden haben und wie sie sich in dieser und jener Situation gefühlt haben.

Wenn ich wählen könnte – ich hätte das wahnsinnig gerne. Man macht es nicht nur für sich selbst, sondern auch für diejenigen, die zurückbleiben. Das ist von unschätzbarem Wert.

Vom 15.9. bis 17.9.23 findet in Bad Ragaz die Rahmenhandlung, ein Literaturfestival und Stadtparcours in Bad Ragaz statt. Du bist da auch mit von der Partie.
Es ist ein Literaturfestival in einem speziellen Rahmen. Die Zuhörer:innen werden in Gruppen aufgeteilt und von Autor zu Autorin geführt und überall bleiben sie rund 20 Minuten. Man bekommt also Lese-Häppchen serviert. Ich selbst lese am Samstagabend (Parcours 1). Es sind auch bekannte Namen wie Bänz Friedli, Claudia Schumacher, Lea Catrina und Christine Brand vor Ort.

Du hast das Buch «Fleisch und Blut» von Susanna Schwager ausgewählt. Wann hast du das Buch entdeckt beziehungsweise gelesen?
Das war im Jahre 2017. Büne Huber von Patent Ochsner gestaltete die Ausgabe von Edition Onepage. Ich fragte ihn, wen er für die nächste Ausgabe auswählen würde, wenn er entscheiden könnte.

Er antwortete mit grosser Begeisterung «Susanna Schwager». Ich kannte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wenn Büne Huber mit so einer Überzeugung jemanden nennt, dann sollte man diesem Tipp schon nachgehen und das habe ich getan.

Ich habe mir also das Buch «Fleisch und Blut» besorgt und es hat mir den Ärmel reingezogen. Es hat mich regelrecht aus den Socken gehauen! Die Art und Weise wie Susanna Schwager schreibt, das hat bei mir etwas ausgelöst. Ein Stückweit ist sie dafür mitverantwortlich, dass ich heute biografisch, sprich in der ICH-Form schreibe.

Wie wichtig ist für dich der Titel und das Cover eines Buches?
Ich habe es mit den Büchern wie mit dem Wein. Entweder ich kaufe sie auf Empfehlung, oder ich lasse mich tatsächlich vom Visuellen (Cover, Titel oder Etikette) verführen.

Bist du jeweils neugierig auf den Schriftsteller/-in? Was kannst du uns über die Autorin erzählen?
Nachdem mir Susanna Schwager für Onepage empfohlen wurde, nahm ich mit ihr Kontakt auf, und tatsächlich konnten wir zusammen mit Anna Sommer (Illustratorin) eine schöne Ausgabe kreieren. Wir organisierten dann auch eine Vernissage im fabriggli.

Dabei lernte ich sie als starke und spannende Frau kennen. Sie war lange Zeit Lektorin bei Diogenes und wurde später als Autorin mehrfach für ihr literarisches Schaffen ausgezeichnet.

Doris, liest du uns bitte eine Passage aus dem Buch vor und gibst uns deine Gedanken dazu preis?
Im Buch Fleisch und Blut geht es um den «währschaften» und stolzen Metzger Hans Meister und seine Lebensgeschichte. Er ist 1913 geboren und ist der Grossvater von Susanna Schwager. Wie viele in seiner Generation, hat Hans ein wirklich hartes Leben gelebt. Als die Enkelin Susanna ihren Grossvater interviewt, ist er 92 Jahre alt.

Hans Meister starb im Jahre 2005. Im Übrigen kann ich mir gut vorstellen, dass er auch so einer war der dachte, was soll ich da bloss erzählen und sich eben gar nicht so wichtig nahm. Durch die Lektüre von Susanna habe ich erkannt, dass man nicht zwingend Geschichten erfinden muss, weil das Leben selbst Geschichten schreibt.

Hans Meister erzählt seiner Enkelin – aus dem Buch «FLEISCH UND BLUT»:

«Wir wurden wenig gelobt. Der Fritz und ich vielleicht noch am ehesten. Das gibt enorm Auftrieb. Ich erinnere mich genau an das Gefühl. Es war selten und kam eher von der Mutter. Es wurde schon säbi Zit propagiert. Die Mutter wusste das, wir kamen aber nicht lange in den Genuss. Dem Vatter lag es nicht. Ich bin sicher, dass der kleine Mensch immer noch der gleiche ist. Er kommt als Nichts auf die Welt, ganz zerbrechlich. Und hat gewisse Anlagen, die muss man fördern. Und gewisse muss man dämmen und formen. Aber dazu braucht man eine klare Vorstellung. Das ist das Erziehen. Das ist eine grosse Aufgabe. Es braucht viel Kraft und Ausdauer. Nachgeben ist bequemer. Viele Eltern sind jetzt zu faul zum Erziehen, gäll. Und Kinder sind verletzbar, man kann sie so verletzen, die vergessen das ein Leben lang nicht. Das sage ich jetzt, als alter Mann. Ich habe den Vatter später immer verteidigt vor dem Fritz. Der Fritz hat oft gehadert wegen unserer Kindheit. Aber ich glaube, im Grunde genommen war der Vatter ein guter Mensch. Er konnte es nicht zeigen, gäll. Wir konnten ihn wenig geniessen. Wenig. Die Mutter ja auch nicht. Wir konnten das Schöne sehr wenig kosten. Das macht mich traurig, siehst du?»

Übrigens: Wenn die Emotionen bei Hans hochkamen, ist die Schrift im Buch kursiv gestellt.

Soweit möglich hat die Autorin Hans‘ Erzählungen wörtlich wiedergegeben und das Berndeutsche akribisch in eine schreibbare Sprache übertragen. Diese ICH-Form, die eingestreuten Mundart-Ausdrücke, dieses Knorrige in der Sprache – all dies hat mir Hans Meister sehr nahegebracht und mich berührt.

Das ist der Grund, warum ich diese Bücher für den Buchtalk ausgewählt habe.

Im Buch geht es auch um die Liebe zu Hunden. Magst du vielleicht auch Hunde?
Ich bin auch ein Hundenarr, ja.

Im Buch steht, dass der Hund dem Hans sein Leben gerettet hat, denn die Mutter starb früh und wie wir eben gehört haben, kam vom «Vatter» nicht viel Liebe. Auch Hans Meister kam haarscharf am Verdingen vorbei. Der Hund konnte ihm diese fehlende Liebe geben und das spürt man sofort, wenn er von diesem Tier, dem Willi, spricht. Das ist sehr berührend.

Wie verankert bist du mit der Region?
Ich bin immer noch stark verwurzelt. Ist ja auch keine grosse Distanz zwischen Buchs und Triesenberg. Ich habe auch meinen Dialekt beibehalten. Meine Eltern leben hier und ich habe fünf Geschwister. Wenn man nicht mit mir in die Schule gegangen ist, dann mit einem meiner Geschwister oder aber man kennt den Vater oder die Mutter. Ich war auch nie weg, ausser am Reisen, das schon.

Du hast auch das Buch «die Frau des Metzgers» mitgenommen.
Genau. Möchte man beide Bücher lesen, dann würde ich mit Fleisch und Blut anfangen. Beim zweiten Buch «Die Frau des Metzgers» geht es um Hildi, die verstorbene Frau von Hans Meister. Leider war diese, zum Zeitpunkt als Susanna die Biografie ihrer Grossmutter schrieb, bereits gestorben. Deshalb hat sie ihren Grossvater über seine Frau befragt und auch andere Familienangehörige interviewt.

Als ich das Buch damals in den Händen hielt und begriff, dass nicht Hildi ihre Geschichte erzählt hatte, war ich zuerst ein wenig enttäuscht. Es lohnt sich aber definitiv beide Bücher zu lesen.

Im Buch wird Hildi als die Schweigende bezeichnet. Was sagst du dazu?
Hildi war kein Huscheli. Sie war nicht laut, aber sie konnte sich durchsetzen und hat die Kinder, als Hans im Krieg war, allein grossgezogen.

Die Familie lebte im Solothurnischen, aber egal ob hier oder dort, dieses Schweigen von dem gesprochen wird, war häufig auch eine Art Schutz.

Diese beiden Bücher haben meinen Horizont erweitert. Ich habe dadurch ein besseres Verständnis für diese Generation bekommen. Für mich stehen Hildi und Hans stellvertretend für viele Lebensgeschichten von Menschen jener Generation.

Und ich bin immer wieder überrascht, wie die Welt sich in einer relativ kurzen Zeit so stark verändern konnte.

Liebe Doris, vielen Dank, dass du uns zwei Biografien von Susanna Schwager vorgestellt hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Schreiben.

Meine Begegnung mit einer Eidechse

Kürzlich ist mir eine wunderschöne Eidechse begegnet. Majestätisch stand sie auf allen Vieren auf der Schwelle unserer Balkontür und sah mich mit ihren grossen Augen an. Ich hatte sie davor schon zwei Mal auf der Terrasse vorbeiflitzen gesehen und mich an ihr erfreut. Dies aber erst einmal nur von weitem. Jetzt sah ich sie aus nächster Nähe und ihr aufgeweckter Anblick ermunterte mich dazu, sie zu berühren und tatsächlich – ich konnte die Eidechse nicht nur berühren, sie liess sich sogar streicheln, ohne dass sie zurückwich oder die Flucht ergriff. Was für ein Erlebnis – was für eine interessante Begegnung!
 
JULIA KELLER /18.08.23

Seitdem habe ich mir Gedanken zum Thema «die Eidechse als Krafttier» und zum Thema «Begegnungen» gemacht. Die Begegnung mit der Eidechse hat mich auf eine spezielle Weise bestärkt. Denn ein Fluchttier, das normalerweise blitzschnell und wendig ist, bleibt vor mir stehen, schaut mich interessiert an und verharrt auch noch in derselben Position, als sich meine Hand in ihre Richtung bewegt. Ich habe mich nachträglich gefragt, was die Eidechse mir mit ihrer Haltung sagen wollte. Ich glaube inzwischen, dass dieses Tier für mich eine Botschaft hatte. Ihre Botschaft: «Ich bleibe hier und gehe nicht weg. Du bist nicht allein, ich bin bei dir.»

Später habe ich im Internet gegoogelt und ein paar interessante Dinge über die Eidechse als Krafttier erfahren. Unter anderem steht, dass die Eidechse zum Träumen einlädt. Sie hilft Visionen zu verwirklichen und bietet Regenerationskraft. Dies zu lesen, hat mir gefallen.

Es steht auch noch geschrieben, dass wenn die Eidechse als Schutzgeist in dein Leben kommt, sie die Kraft des Feuers mitbringt und dich durch deine Traumwelt führt. Und wenn die Eidechse als Helfertier in dein Leben tritt, kannst auch du von dieser Eidechsen-Medizin profitieren. Nutze deine geschärften Sinne und achte auf die Botschaft deiner Träume.

Die Eidechsen-Medizin ist besonders hilfreich, wenn du

  • verlernt hast zu träumen und dir Vorstellungen und Visionen für deine Zukunft fehlen. Die Eidechse hilft dir, wieder Zugang zu deiner Traumwelt zu bekommen.
  • prüfen möchtest, inwieweit du deine innersten Wünsche umzusetzen in der Lage bist.
  • nach einer Zeit, in der du körperlich oder seelisch stark belastet wurdest, wieder Kräfte sammeln und regenerieren willst.

Die Eidechse schafft die Wirklichkeit aus ihren Träumen heraus. Erscheint dir die Eidechse als Krafttier, ist es für dich an der Zeit, deine Träume als Werkzeug zur Schaffung deiner Realität zu nutzen. Die Eidechse hilft dir, deine Traumwelt kritisch zu beleuchten, zu deuten und zu hinterfragen. Was verfolgt dich? Wie weit lebst du deine Träume? Hast Du genügend Schöpfergeist, um sie zu verwirklichen? Weisen deine Träume ein wiederkehrendes Muster auf? Zeigen sie dir Ängste und Hoffnungen auf? Nimm dir mit der Eidechse die Zeit, vermehrt auf deine Träume zu achten, ihre Symbolik zu deuten, um aus ihnen Schlüsse für dein Wachleben zu ziehen. Ein Traumtagebuch könnte dir dabei helfen.

Die Eidechse häutet sich regelmäßig. Zudem verfügt sie über eine außergewöhnliche Gabe, um ihre Feinde abzulenken. Sie wirft hierzu ihren Schwanz ab, opfert zeitweise dieses Körperteil dem Feind, um sich in Sicherheit bringen zu können. So bringt dir die Eidechse die Kraft der Regeneration und Erneuerung. Sie hilft dir in schwierigen Zeiten bei physischen und psychischen Heilungsprozessen.

Schillernd bunt oder gut getarnt,

passe ich mich an die unterschiedlichsten Lebensräume an.

Schenke dir die Kraft der Sonne, bringe Licht und Leben –

für viele bedeutet mein Erscheinen großen Segen.

Das Reich der Träume erschließe ich Dir,

lass’ dich erkennen, was sonst verborgen ist.

Bin eine alte Seele, blicke weit zurück

und schenke dir viel Glück.

Dieses Gedicht ist von Anke Junginger

Wir alle begegnen jeden Tag Menschen und Tieren. Manche Begegnungen sind schön, manche weniger.

Zum Beispiel die heutige Begegnung mit der mir unbekannten Frau in der Migros, die sich gefreut hat, als ich sie freundlich gegrüsst habe und ihr zulächelte. Sie hat mir mit einem strahlenden Lächeln bestätigt, dass es sich lohnt, Freundlichkeiten auszutauschen. Hingegen hat mir die Begegnung mit einer mir flüchtig bekannten Frau aus dem Dorf, die ich ebenfalls beim Einkaufen getroffen und gegrüsst habe und bei der kein Gruss zurückkam, nachdenklich gestimmt. Sofort habe ich mich gefragt, ob sie mich vielleicht nicht gehört hat oder ob sie mich ganz einfach nicht mag? Nun, ich kenne den Grund, warum sie mich nicht gegrüsst hat, nicht, aber ich habe beschlossen, das schön bei ihr zu lassen. Ich bin für meine Taten, Worte und Gesten verantwortlich und nicht für die der anderen.

Danke, liebe Eidechse, dass du mir hilfst über vieles bewusst zu werden. Wenn wir das Unbewusste nicht mehr verdrängen, dann können sogar Träume wahr werden.

Das Interview zur Lesung von Kuno Bonts «Störfall»

Fotos: Theres Schlienger
Kuno Bont ist in der Region als freischaffender Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor von Theaterstücken, Filmen und Musicals bekannt. In der Bibliothek Buchs hat er am 25. Januar 2023 sein neues Drehbuch «Störfall», an dem er insgesamt sage und schreibe 7 Jahre gearbeitet hat, einem interessierten Publikum vorgestellt. Es ist ein Nachfolgeprojekt des bereits veröffentlichten Films «Das Deckelbad» (2015).

JULIA KELLER / 27.01.23

Ein Gast, ein Buch, der Buchtalk. Der regional bekannte Filmemacher erzählt aus seinem Drehbuch STÖRFALL. Kuno Bont ist kein Schnellschreiber, wie er uns verrät. Seine Drehbücher beinhalten zu den Dialogen die für ihn wichtige Geräuschkulisse, die dem Drehbuchleser ein Bild vermittelt und auch Emotionen besser transportiert. «Geräusche geben oder nehmen Tempo», so Bont.

Störfall, die Geschichte eines Vaters, dessen schwuler Sohn sich mit HIV ansteckt und später von der Staatsanwaltschaft angeklagt wird, weil er wissentlich andere damit angesteckt haben soll, spielt in den 80er Jahren. Die Geschichte Störfall resultiert aus verschiedenen Beobachtungen Kuno Bonts, die schlussendlich von ihm zu einer Geschichte verwoben wurden. Die Grundlage zum Buch sind verschiedene Begegnungen und schicksalshafte Geschichten.

Der Drehbuchautor erzählt von einem Rheintaler Vater, der mit dem Schicksal hadert, weil er einen schwulen Sohn hat. Von einem Vater und einer Mutter, die sich für ihren schwulen Sohn einsetzen, aber auch von einem Vater, der mit der Frühpensionierung zu kämpfen hat. Einem Vater, der gegen die Bürokratie mit dem sogenannten Paragraphenreiter und den immer länger werdenden Vorschriften kämpft und sich dabei komplett verirrt. Bei Störfall handelt es sich konkret um das Psychogramm eines Vaters. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der mit der ganzen Situation nicht mehr fertig wird. Der Schluss ist fiktional. Kuno Bont erzählt, dass er schlussendlich vor der Alternative stand, entweder einen Mann zu zeigen, der «in sich hinein kämpft» und daran zugrunde geht, oder einen Charakter darzustellen, der wortwörtlich vor Wut und Schmerz platzt. Kuno hat sich für die zweite, für die aufsehenerregendere Variante entschieden. Nicht um Schlagzeilen zu machen, sondern um den Finger draufzuhalten und zu sagen: «Versteht die Menschen besser, schaut, was und warum sie es machen und woher die Provokation kommt.»

Die Herausforderung für Bont ist nicht der eigentliche Film. Die Herausforderung ist eher, was er für einen Film machen will. Er orientiert sich am Leben, welches passiert, und das ist dann Authentizität. Bont: «Ich will einen Film machen, den man sofort versteht, und das kann man nur, wenn er authentisch ist. Die Herausforderung ist aber auch, eine Dramaturgie zu erschaffen, denn ein Film geht in der Regel 1, 5 Stunden und es ist nicht gut, wenn man nach fünf Minuten einschläft! Also muss ich mich vor allem um die Dramaturgie kümmern. Man darf die Elemente nicht unterschätzen, die so eine Geschichte unterstreichen. Was passiert hier? Es gibt leise, sogar stille Momente, aber es gibt auch schnelle Reaktionen, die bringen Tempo ins Geschehen und sind meist laut. Die Erzählart ist auch eine wichtige Herausforderung. Alles andere, wenn’s dann darum geht, den Film zu machen, das war für mich nie ein Problem und ich bin zuversichtlich, dass das so bleibt.»

Auf die Frage, ob der Film in schweizerdeutscher Sprache erscheint, weil das Drehbuch einige Ausdrücke aus der Region beinhaltet, gibt Kuno preis, dass die Authentizität eben hier anfängt, zum Beispiel mit der gewählten Sprache. Bont: «Das gehört zu mir, darum drehe ich meine Filme immer noch hier und nicht in Zürich oder im Wallis.»

Es ist nicht Bonts erstes Filmprojekt. Als ich ihn frage, was heute anders ist, antwortet er: «Gegenüber früher bin ich aus dem, was ich beim ‘Deckelbad’ gelernt habe, noch kritischer geworden. Ein noch genauerer Beobachter, es ist das, was mich schon ein Leben lang begleitet. Leute beobachten, beschreiben, was sie tun und wie sie sind. Ich habe seinerzeit beim W&O jeden Samstag eine Reportagenserie eingeführt. Wir sind bei den Leuten in der Stube gestanden, im Stall oder wir haben sie in der Wiese beim Heuen mit der Kamera begleitet. Ich bin älter geworden und nicht mehr ganz so geschmeidig. Ich kann mich beim Autofahren über einen Schleicher gottvergessen aufregen, was früher nicht der Fall war.»

Als ich Kuno Bont darauf hinweise, dass er scheinbar Wesenszüge des Protagonisten Hans Steiger hat, lacht er und ich glaube zu erkennen, dass ich damit gar nicht so Unrecht habe. Ein gemeinsamer Wesenszug der beiden könnte auch die Sturheit sein.

Im Publikum taucht gegen Schluss die Frage auf, wie Kuno Bont vom Gemeindepräsidenten zum Filmemacher wurde. Diese Frage beantwortet Kuno mit Daumen und Zeigefinger. Damit stellt er klar, dass er in seinem Leben nur so viel Gemeindeammann war. Es handelt sich um eine Zeitspanne von 8 Jahren. Er sagt: «Ich wollte eigentlich Schauspieler werden, doch mein Vater meinte, ich müsse etwas Richtiges lernen. Ich habe dann die Lehrstelle auf der Gemeinde Oberriet absolviert. Ich bin ein anständiger und netter kaufmännischer Angestellter geworden mit einem tollen Abschluss. Später habe ich zum Journalismus gewechselt. Dort zuunterst angefangen als Dorfkorrespondent, der am Sonntag in der Küche Bilder entwickelt und vergrössert hat, bis ich gefragt wurde, ob ich zur Zeitung möchte. So bin ich zum Rheintaler gekommen und ein waschechter Rheintaler geworden. Danach wurde ich als Gemeindeammann gewählt, damals nannte man das noch so.

Während meiner Zeit dann beim W&O als Chefredaktor, begann ich Filme zu drehen. Ich wurde mehr und mehr zu dem, was ich schon immer hatte sein wollen. Als Jugendlicher war es noch Schauspieler, mit den Jahren hat es sich gewandelt. Heute kennen mich die Menschen als Kuno Bont, der Filmemacher.»

Der nächste Gast beim Buchtalk in der Bibliothek Buchs ist Armin Öhri, ein liechtensteinischer Schriftsteller. Er bringt den Klassiker «Krieg und Frieden» von Tolstoi mit. Also bitte Datum vormerken: 26. April 2023, neu ab 20 Uhr, wie immer in der Bibliothek Buchs.

Maturaarbeit von Julia Rusch