GeGa und die Kunst, ein Clown zu sein

In seiner Biografie sagt Hape Kerkeling folgendes: «Humor ist schon ein guter Kumpel. Es ist gar nicht so leicht, Menschen professionell zum Lachen zu bringen und seinen eigenen Stil zu finden. Vor jedem, der das schafft, ziehe ich meinen Hut. Viele werden vermutlich sagen, also doch, der Clown ist immer auch ein trauriger Clown.»

Liebe Angelika, hat Hape Kerkeling vielleicht recht und ist ein Clown immer auch ein trauriger Clown?

Das würde ich nicht zwingend behaupten, aber es hat schon etwas, denn man muss feinfühlig sein und dies setzt eine gewisse Sensibilität voraus. Meist haben sensible Menschen auch eine melancholische Seite. Robin Williams und Jim Carrey beispielsweise, zwei grossartige Schauspieler mit einer ulkigen Seite, haben beide mit Depressionen zu kämpfen gehabt.

Wer ist GeGa?

GeGa ist der Urkern von Angelika, sozusagen die ungeschminkte Wahrheit, trotz geschminktem Clowngesicht. GeGa darf tollpatschig, begriffsstutzig, naiv und kindisch sein. Das sind alles Wesenszüge, die ich schon immer in mir hatte, aber nicht ungefiltert rauslassen konnte.

Ähnlich wie bei Hape, der seine Mutter aufheitern wollte, spielte ich unbewusst schon als Kind für meine jüngere Schwester, die mit einer geistigen Beeinträchtigung auf die Welt kam, den Clown. Das Schönste war und ist es noch immer, sie zum Lachen zu bringen.

Ich war übrigens ein sehr schüchternes und sensibles Kind mit viel Fantasie. Lange Zeit war ich recht unscheinbar. Nur meine beste Freundin und meine Familie kannten auch meine ulkige Seite.

Was gefällt dir am Clown-sein?

Der Clown darf und kann alles spielen. Es sind ihm keine Grenzen gesetzt. Als Angelika möchte ich aber niemanden überrumpeln und mich schon gar nicht aufdrängen. Hier ist mein schüchternes ICH schon sehr präsent. GeGa hat aber keine Berührungsängste und ist sehr begeisterungsfähig. Eine tolle Gefährtin und Zuhörerin. Dank ihrer Naivität kann man sich bei ihr unmöglich blamieren, sich dafür umso mehr an ihrer Tollpatschigkeit erfreuen.

Was für ein Clown bist du genau?

Am bekanntesten ist wohl der Zirkusclown, der bin ich aber ganz bestimmt schon mal nicht.  Dafür hätte ich die Theaterschule Dimitri im Tessin wählen müssen. Ich bin nämlich weder artistisch noch musisch begabt. Zwar mache ich gerne Videoclips wie diesen hier und diese sind sehr wohl zur Unterhaltung und Erheiterung gedacht, hauptsächlich bin ich aber ein Geriatrie-Clown. Ich gehe in Alters- und Pflegeheime, gelegentlich auch in ein Wohnheim für Behinderte. Wobei dies momentan wegen Corona praktisch alles auf Eis liegt, was ich sehr bedaure.

In meinem Beruf als Clownin braucht es viel Empathie. Ich möchte mein Publikum aufheitern und dessen Alltagstrott durchbrechen. Mein höchstes Ziel ist es, Menschen Freude zu bereiten und sie zum Lachen zu bringen. Wenn mir das gelingt, dann bin ich sehr glücklich.

Um das möglich zu machen, habe ich 2015 eine Grundausbildung zur Clownpädagogik im Dachatelier St. Gallen absolviert und mich anschliessend zum TuttoClown weitergebildet. In der Grundausbildung geht es vor allem erst einmal darum, seinen eigenen Clown zu finden.

Heute darf ich als Clownin Menschen mit Beeinträchtigungen und ältere Menschen in Alters- und Pflegheimen besuchen. Dort hin gehe ich nicht etwa mit einem einstudierten Programm, sondern es läuft sehr vieles über Intuition und Improvisation. Wie ist die Stimmung gerade? Was kann ich tun, um ein wenig Farbe und Abwechslung in deren Alltag zu bringen? Nichts muss sein, alles ist gut! Wenn ich für einen Geburtstag oder ähnliches gebucht werde, habe ich natürlich schon ein Programm, aber trotzdem finde ich es wichtig, dass es nicht zu einstudiert wirkt.

In der TuttoClown Ausbildung studiert man beispielsweise das Wesen des Kleinkindes. Tollpatschig sein, stolpern, die Schuhbändel falsch binden. In diesen banalen, ja alltäglichen Dingen steckt viel Komik, die der Clown sofort aufgreift und dann natürlich total übertrieben gestikuliert. GeGa kriegt einfach nichts auf die Reihe, jedenfalls nicht so wie andere. Sie braucht immer einen Moment länger und genau damit ringt sie ihren Zuschauern ein Lächeln ab oder bringt sie sogar zu schallendem Lachen.

Sich in etwas verlieren, ist etwas sehr Schönes. Das passiert heutzutage leider viel zu selten. GeGa hinterfragt auch nichts. Im Pflegeheim besuche ich als Clownin auch Bewohner mit Demenz. Diese Arbeit liegt mir besonders am Herzen, denn ich kann auf Situationen eingehen, die manchmal zwar keinen Sinn machen, aber dann eben doch etwas bewirken, nämlich dass diese Menschen sich angenommen fühlen – genau so wie sie sind. GeGa lässt sich auf alles und jeden ein. Sie ist einfach ein sehr liebenswürdiges Geschöpf.

In diesen Momenten spüre ich, dass mein Clown mit betagten oder behinderten Menschen, aber auch mit Kindern bestens umgehen kann. GeGa holt die Menschen dort ab, wo sie sich grad befinden.

Was hat sich durch das Clown-sein bei dir persönlich verändert?

Vor anderen Leuten zu sprechen, war für mich früher ein Graus. Im Mittelpunkt zu stehen, war ich mir nicht gewohnt. In der Clownschule wirst du dann erst einmal ins kalte Wasser geworfen. Da gibt es kein Verstecken mehr! Alle schauen und hören dir zu. Gedanken wie: «genüge ich, wie komme ich an?» gehören zur Ausbildung dazu.

Als Clown darfst bzw. musst du alle Gefühle rauslassen. Die Lehrer fordern dich dazu auf grösser, lauter und völlig kurios zu sein und damit den Raum einzunehmen. Mir hat das unheimlich gutgetan. Für mich war es eine Lebensschule.

Was hat GeGa was Angelika nicht hat und umgekehrt?

GeGa glaubt alles, sie hinterfragt nichts, nimmt es so wie es ist.

Angelika ist skeptisch und fragt sich oft «wo ist hier der Haken?»

Vor Jahren hat mir jemand gesagt: «Du bist ein Clown. Clowns sind verletzte Heiler. Das, was du als Kind gerne gehabt hättest, möchtest du heute deinem Publikum geben.» Somit sind GeGa und ich irgendwie auch eins.

Mehr Infos zu GeGa findet ihr auf ihrer Webseite.

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