Wenn der Vorhang schliesst

Auf sozialen Medien kursiert momentan der Slogan «Ohne K(uns)t und Kultur wird’s still». Stille muss ja nicht schlecht sein, jedenfalls lieber Stille als viel Lärm um nichts! Was diese Bewegung aussagen möchte ist: Wir sollten die Kunst- und Qulturbranche nicht leichtfertig aufgeben, im Sinne von «Kunst ist nicht lebenswichtig». Denn Kunst ist wichtig.

Nicht greifbar und logisch erklärbar wie das Grundbedürfnis Nahrung. Jeder weiss was geschieht, wenn wir längere Zeit komplett ohne Nahrung auskommen müssen. Doch wir sollten nicht unterschätzen, was diese Stille mit uns macht. Wir können ohne Qultur definitiv länger überleben als ohne Wasser, die Frage ist nur wie?! Die Entscheidung «zu leben wie es einem gefällt» haben wir durch die Pandemie verloren.

Die Qulturszene ist eine Branche, die finanziell schlecht abgesichert ist. Damit sind natürlich nicht Weltstars gemeint, jene Künstler, die den berühmten Durchbruch geschafft haben… Ich spreche von Kunstschaffenden, die viel und Grossartiges leisten, allerdings mit bedeutend weniger Anerkennung, sprich ohne Medienrummel und Hype. Meist ist der Applaus direkt nach der Vorstellung der kostbarste Lohn. Trotz geringem Broterwerb haben sich viele Künstler bewusst für dieses Leben entschieden, weil es eine Herzensangelegenheit ist. Manche fühlen sich berufen, ihre Kunst mit der Welt zu teilen. Die ganze Qulturszene ist seit letztem Frühling lahmgelegt. Nicht nur Akteure sind arbeitslos, betroffen sind auch Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten. Ja, zwischen Frühling und Herbst wurden die COVID19 Massnahmen zwischenzeitlich gelockert, aber wer wurde da schon gebucht, in dieser unsicheren Zeit? Es sind also nicht nur die Aufträge vom Frühling verloren gegangen, sondern es sieht auch für die Zukunft ziemlich düster aus. Menschen, die kaum finanzielle Rücklagen haben, kämpfen jetzt ums Überleben. «Ohne K(uns)t und Kultur wird’s still» verstehe ich auch als Hilferuf oder zumindest als Weckruf.

Für mich ist Qultur Nahrung für den Geist. Paul Gauguin, ein berühmter Maler, hat einmal gesagt «Ich schliesse die Augen, um zu sehen.» und damit erklärt er das Phänomen Kunst ganz gut. Antoine de Saint-Exupéry hat es in seinem weltberühmten Werk «Der kleine Prinz» folgendermassen ausgedrückt «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Ich liebe Kunst und möchte nicht auf sie verzichten. Denn sie spricht eine Sprache, die vereint, verbindet und nicht entzweit!

Eine Kunst ist auch eine Gabe und natürlich wird sie von Mensch zu Mensch unterschiedlich gewichtet. Vieles ist Geschmackssache und doch kann man Kunst nicht leugnen, selbst wenn es einem nicht gefällt.

Es gibt so viele Arten von Kunst. Beispielsweise ist die Kunst erfolgreich zu sein, schon eine Kunst für sich. Doch egal, ob wir ein Konzert besuchen, ein Gemälde betrachten oder ins Theater gehen – wenn Kunst berührt oder zum Nachdenken anregt, hat sie ihr Ziel erreicht. Übrigens verschiedene Meinungen respektieren, (innere) Ängste aushalten und positiv bleiben, das ist auch eine Kunst! Unsere persönliche Einstellung spielt somit eine entscheidende Rolle. Meines Erachtens ist das die Kunst eines möglichst glücklichen Lebens.

Zum Schluss möchte ich Euch das Statement von Beni Hunziker, Theater Bruderboot, nicht vorenthalten «Ich bin froh in einem Land zu leben, welches mir Hoffnung auf ein Weitermachen schenkt. Welches mich konkret finanziell unterstützt. Auch wenn momentan nichts möglich ist. Die Frontenbildung beängstigt mich. Mir ist es wichtig solidarisch zu bleiben. Ich glaube, Aufgabe der Kunst ist es, Wahrheiten zu schaffen, nicht die Wahrheit zu erkennen. Experten gibt es genug. Kunst soll nicht erklären, sie soll erzählen. Ich gebe meine Hoffnung nicht preis und werde meine Kunst weiter dazu nutzen, Menschen zu verbinden.»

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