Nachgefragt bei Piroska Szönye

Seit kurzem steht ein Bücherhaus auf der Kinderbaustelle in Buchs. Diese Kunstinstallation wurde von Kindern auf die Beine gestellt. Ideenlieferantin dafür ist die international tätige Bündner Künstlerin Piroska Szönye. Wieso für das Projekt Bücher an die Wand genagelt werden und welche wundersamen Geschichten in Buchs schon deswegen passiert sind, lest ihr hier.

Liebe Piroska

Als international tätige Künstlerin hast du schon einige spannende Projekte realisiert. Nun dürfen wir auch in unserer Region von deinen unkonventionellen Kunstideen profitieren. Mit dem «Bücherhaus» hast du abermals eine Kunstinstallation mit dem Thema Bücher ins Leben gerufen. Wo steht das besagte Bücherhaus?

Das Bücherhaus befindet sich bei der Kinderbaustelle in Buchs/SG. Theres Schlienger, Leiterin der Bibliothek Buchs, wurde durch das erste Buchhaus, welches in Bad Ragartz im Jahre 2018 richtig Furore gemacht hat, auf mich aufmerksam.

Und was bezweckt Ihr mit diesem Bücherhaus? Denn ehrlich gesagt tut es mir persönlich im Herzen weh, wenn ich sehe, wie Bücher an die Wand genagelt werden.

Sehr gut, dann haben wir das Ziel erreicht. Wir haben dich emotional erwischt und genau das wollen wir. Bücher sind wichtig, vor allem aber Kinder- und Jugendbücher, gute Bücher überhaupt und solche, die man nicht mehr weglegen mag, sobald man sie in der Hand hat. Es ist nämlich so: Daten können verschwinden – Bücher hingegen nicht.

Die Kraft, die Bücherhausprojekte haben, sollte nicht unterschätzt werden. In dem wir – und diesmal sind es die Kinder, die spielerisch mit der Wahrnehmung provozieren – sozusagen einen Windsturm in der Gesellschaft auslösen, werden wir beim – «ooooh nein diese armen Bücher» – gesehen und gehört, so wie Kinder es auch möchten, gesehen und gehört werden. Kinder sind unsere Zukunft und darum nageln die kleinen Künstler die Bücher an das Buchhaus.

Überhaupt sollte Kunst, Qulturschaffen, Künstlertum und Qulturförderung einen wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Es ist für die Entwicklung und für das Verständnis der Menschen untereinander wichtig. Wir sind der Sand im Getriebe der Gesellschaft.

Das Bücherhaus ist also eine Botschaft – bist du Botschafterin für Bücher?

Ja genau. Das gefällt mir. Es ist eine Botschaft, nicht für ein Land, sondern für Bücher auf der ganzen Welt und Bücher jeglicher Art. Bücher hält man in den Händen, sie sind sinnlich. Papier riecht, lässt uns neugierig durch die vielen Seiten blättern. Wörter sind lebendig, Geschichten wollen erzählt werden. Wichtiges will festgehalten werden. Bücher können Welten erschaffen. Sie geben uns eine Bedeutung. Ein Buch lesen, ist wie Innehalten und lässt uns in Geschichten eintauchen. Nicht durchs Leben hetzen. Genau das brauchen wir und ganz besonders unsere Kinder. Bücher lesen ist eine Art lebenslanges Lernen. Nicht ich bin die Künstlerin des Bücherhauses in Buchs. Die Kinder, die Bücher an das Buchhaus nageln, sind der Hauptteil des Kunstprojekts. Sie sind die Künstler von morgen. Und jedes Kind, welches seinen Namen auf der Kinderbaustelle beim Bücherhaus oder in der Bibliothek hinterlässt, erscheint namentlich als Künstler auf meiner Homepage.

Was sind das für Bücher, die an die Wand genagelt werden?

Die Bücher haben wir von diversen Bibliotheken, von Privaten und von Buchläden gestiftet bekommen. Und natürlich werden die Bücher nicht nur an die Wand genagelt, sondern es gibt durchaus Kinder, die auf der Baustelle Bücher lesen oder darin blättern und Bücher gar mit nach Hause nehmen. Wir wollen mit diesem Buchhaus und mit dieser Aktion ein Statement geben: «Wir bauen auf die Zukunft und auf Bücher».

Kannst du mir von einem speziellen Erlebnis auf der Kinderbaustelle, speziell in Bezug auf das Bücherhaus erzählen?

Theres Schlienger hat mir erzählt, dass eine Schulklasse auf der Kinderbaustelle war und Schulbücher auf der Baustelle zurückliess, weil sie diese nicht mehr benötigten. Später kam eine andere Schulklasse und entdeckte die besagten Schulbücher. Wie es der Zufall wollte, benötigte diese Schulklasse genau diese Schulbücher und nahm sie daher freudig mit.

Es drehen sich bei dir aber nicht alle Projekte um Bücher, oder?

Nein. – Ich bin eine Künstlerin – das ist ein Beruf und eine Berufung. Angefangen habe ich als Botschafterin für Kinderhospize in Deutschland und in der Schweiz. Als Kind lag ich lange Zeit im Spital. Damals habe ich das Buch «Elisabeth wird gesund» von Alfons Weber gelesen und es hat mir viel Kraft gegeben. Das Einzige was ich damals wollte, ist nach Hause zu gehen. Ich war 4 und 6 Jahre alt, als ich in Berührung mit Büchern kam, die mir heute noch in Erinnerung sind. Darum weiss ich um die Wichtigkeit von Büchern.

Später – also jetzt und heute – habe ich die Geschichte von Heidi weitergesponnen und ein ziemlich bekanntes verrücktes Kochbuch herausgegeben: Das Heidi lebt! Das Artjournaling KunstKochPhilosophiePoesieBuch.

Bist du eine Leseratte?

Leseratte? Wieder so ein Wort! Lesekatze viel eher. Ich verschlinge nicht ein Buch nach dem anderen, aber ich sehe mich mit einigen Büchern auf dem Sofa eingekuschelt. Ich liebe Wortspiele! Und ich liebe kreative, schräge, einzigartige und natürlich coole Bücher. Ich bin Buchsammlerin, Buchjägerin, Büchererfinderin, eine Wortjongleurin. Ich lese auch gerne zwischen den Zeilen. Und mache sogar manchmal ein Büchertarot.

Sind deiner Meinung nach viele Kinder kunstbegeistert?

Wenn Kinder die Möglichkeit erhalten, sich kreativ zu betätigen, ohne ein wertendes Resultat zu erzielen, sind definitiv viele Kinder kunstbegeistert. Kreative Menschen entwickeln immer neue Ideen, was bedeutet, dass sie auch lösungsorientiert wirken. Eigenständiges Denken hilft dabei. Das Wort «begeistert» kommt im Sinne von mit Geist erfüllen.

Bei Kindern gibt es zwischen «Kreativität und Begeisterung» sowie dem Wort «Erziehung» einen nicht zu verachtenden Sinn und das macht einen wichtigen Unterschied.

Ein Slogan von dir ist «Nur wer anders denkt, verändert die Welt». Was hat es damit auf sich?

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. Alles beginnt bei einem selbst. Es hat mit unserer Einzigartigkeit zu tun, wie authentisch wir wirklich sind und was wir wirklich wollen. Solches Denken und Handeln verändert die Welt, ja, davon bin ich überzeugt. Unsere Welt ist im Umbruch.

Gerade jetzt, wurden viel mehr Bücher gelesen. Was die Bibliotheken anbelangt, so sind diese Institutionen nicht mehr nur eine herkömmliche Bücherausleihe, sondern ein Begegnungsort, ein Treffpunkt für Lesebegeisterte, aber auch für andere Gruppen. Diesbezüglich passiert heute ganz viel. Es werden Workshops angeboten und vieles mehr.

Habt Ihr Eure Kinder schon gefragt, ob sie gerne auf die Kinderbaustelle Buchs gehen möchten?

Schickt uns ein Foto auf info@qultur.ch von eurem Bauprojekt auf der Kinderbaustelle. Die Kinderbaustelle Buchs ist bis zum 24. Oktober 2021 geöffnet. Während der Schulzeit jeweils Mittwoch von 13-17 Uhr und am Samstag von 11-17 Uhr. In den Schulferien von Dienstag bis Samstag von 11-17 Uhr

Zur Person: Piroska Szönye, geboren in Chur und ewige 50, ist eine Urbündnerin. Ursprünglich Innenarchitektin und Möbeldesignerin. Später hat sie Qulturmanagement studiert. Ihr Hauptthema sind Innovationen. Heute ist sie vor allem als Künstlerin für schräge und spezielle Bücher bekannt. Sie ist eine Ideenfabrik auf zwei Beinen und man kann sie buchen, wenn man Menschen begeistern will.

Website: www.piroskakunst.ch

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